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Volksarchitektur im Adlergebirge

Die Volksarchitekturbauten sind die verhältnismäßig zahlreichsten Denkmäler vergangener Zeiten, die bis zur Gegenwart erhalten geblieben sind. Dies ist nicht nur dadurch gegeben, dass sie gegenüber anderen Denkmaltypen bereits zur Zeit ihrer Entstehung am zahlreichsten waren, sondern auch dadurch, dass sie bis heute ihrem Zweck dienen, egal ob als Dauerwohnobjekte oder als Wochenendhäuser zu Erholungszwecken.
Die Wurzeln der Volksarchitektur gehen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Der Barockstil, ursprünglich bei uns fremd bis unbeliebt, schlägt in diesem Zeitabschnitt in Böhmen feste Wurzeln und wird nach und nach als eigene Ausdrucksweise des volkstümlichen ästhetischen Empfindens angenommen. Der Barock wurde so in der Volksauffassung zum Mitbegründer des Grundaussehens der tschechischen Landschaft, was in vollem Maße auch für das Adlergebirge und das Adlergebirgsvorland gilt.
Die große Mehrheit der Objekte, die erhalten geblieben sind, verdankt ihre Existenz gerade den Wochenendhausbesitzern, die sich mit manchmal fast unglaublicher Begeisterung um die Rettung und Rekonstruktion selbst der letzten Details der Architektur und ihrer Beiwerke bemühten. Eine traurige Realität stellt auch der Fakt dar, dass zahlreiche Volksarchitekturbauten, die der Erholung dienen, vollkommen gefühllos zu eigenartigen unästhetischen Hybriden umgebaut wurden, die die ansonsten herrliche Landschaft verunstalten.
Einen großen Verdienst daran, dass die Objekte der Volksarchitektur im Adlergebirge unter Berücksichtigung der traditionellen Architektur und des Schutzes des ästhetischen Aussehens dieser Ecke des tschechischen Landes renoviert wurden, hat gerade die Verwaltung des Landschaftsschutzgebiets Adlergebirge, die bereits seit ihrer Entstehung um den Schutz architektonischer kultureller Werte bemüht ist.
Trotzdem sind die Volkshäuser nur in Ausnahmefällen in ihrer ursprünglichen oder zumindest älteren Gestalt erhalten geblieben. Das ständige Bewohnen und die Änderungen der Wohnkultur und des Lebensstils haben in Form von zahlreichen baulichen Veränderungen ihr Tribut gefordert. Eine Reihe von Objekten ist so unter den nachfolgenden Umbauten im Prinzip völlig verschwunden. Eine weitere, noch schlimmere Variante war der Abriss des ursprünglichen und der Aufbau eines neuen Hauses, in der Regel bereits mit abweichendem Grundriss.
Charakteristisch für unser Gebiet ist das Umgebindehaus mit einem massiven Mittelteil, wie es im 18. Und 19. Jahrhundert geschaffen wurde. Der rechteckige Grundriss umfasst eine große Wohnblockstube, eine Diele, eine Kammer und einen Wirtschaftsteil – die Stallung. Aus dem Grundriss ragte an der Eingangslängsseite ein überdachter Beischlag heraus, gegebenenfalls ein offener kleiner Söller mit verschaltem Geländer, das schlanke, mit einfachem Schnitzwerk verzierte Säulen mit dem Dachboden verbinden.
Die Bauten waren fast ausnahmslos ebenerdig. Den bewohnbaren Teil bildete eine geräumige Blockstube, in der alle Hausbewohner wohnten (mit Ausnahme der älteren Familienmitglieder in reicheren Familien, die das obere Geschoss bewohnten). Die Blockwände wurden mit Estrich, später mit geweißtem Mörtel verfugt. Die Holzdecke der Blockstube wurde mit Anstrichen aus Rinderblut konserviert. Die Innenwände der Blockstube wurden später auf Reet verputzt und in der Regel einmal jährlich geweißt. An der Wand hatten eine Bank und ein Tisch mit geschnitzten Fußgestellen ihren Platz. Zur weiteren Ausstattung der Blockstube gehörten ein kleiner Schrank, ein Geschirrbord, ein Löffelkorb und selbstverständlich eine Truhe. Das Bett war breit und über ihm hing eine Federbettstange. Bemalte Schränke und Truhen befanden sich auch in der Diele und auf dem Dachboden. Die Fenster zur Blockstube waren klein, doppelt und in vier oder sechs Felder unterteilt. Verzierungen traten an der hölzernen Fensterleibung in Form einer einfachen wellenförmigen Schnitzarbeit auf. Zwischen der Decke der Blockstube und dem Fußboden der Bodenräume gab es manchmal einen Zwischenraum, der als Versteck für Vorräte in gefährlichen Zeiten, im 18. Jahrhundert auch zum Verstecken verbotener evangelischer Bücher diente.
Den massiven Teil des Umgebindebaus stellte die sog. Schwarze Küche dar. Man betrat sie von der Diele aus und hierher drang auch der Rauch aus dem Ofen in der Blockstube. Die Schornsteine wurden ursprünglich aus Holz gebaut, was auch eine der Ursachen für die häufigen Brände war. Erst später wurden Mauerschornsteine gebaut. Unter dem Schornstein führte ein Türchen zum Ofen und daneben war eine niedrige Feuerstelle. Es wurde fast ausschließlich mit Holz geheizt.
Den Fußboden der Blockstube bildete ursprünglich festgestampfter Lehmboden, später Bretter. Die Diele hatte einen Stein- oder Ziegelfußboden, der Beischlag war mit großen flachen Plänersteinen gepflastert.
Die Häuser hatten größtenteils ein Satteldach. Die Bodenräume dienten zur Einlagerung von Tierfutter für den Winter, später wurden in sie kleine Blockstübchen mit Fenstern zum Giebel hin eingebaut. Der Dachgiebel war der repräsentative Teil des Hauses. In unserer Region waren die Giebel jedoch nicht sehr gegliedert. Sie teilten sich in der Regel in vier Felder. Das größte war das innere mit zwei einfach verzierten kleinen Fenstern, die in die Dachboden-Wohnstübchen führten. Ab und zu treten einfache geschnitzte Schmuckelemente an den Stirnbrettern auf, oder am unteren Ende der Bretter. Häufig, wenn auch heute nur noch sehr selten erhalten, waren Klappbretter im Giebel mit Aufschriften, die das Datum des Baus und den Namen des Bauherrn darstellten und um Gottes Schutz für das Haus baten.
Ein weiteres Objekt von Bauernwirtschaften war die Scheune. Sie wurde so gebaut, dass sie vom Feld aus einfach zugänglich war. Die Scheunen hatten meist einen niedrigen Blockbauteil und ein hohes Dach. Innen befand sich eine Dreschtenne aus Lehm oder Brettern, die – wie bereits ihr Name sagt – zum Ausdreschen des Getreides diente. Es sind nur ein paar Scheunen in den Bergdörfern erhalten geblieben, aber auch in Hlinné und an einigen weiteren Orten.
Bestandteil größerer Anwesen war ein Blockhaus, das auf einem Steinfundament stand und in die Erde eingesenkt war. Es wurde in den Sommermonaten auch zur Einlagerung verderblicher Lebensmittel genutzt. Einige Blockhäuser wurden auf einer Wasserquelle gebaut. Ein schönes Blockhaus befindet sich in Sudín, wir finden Blockhäuser auch in der Region Dobersko, aber auch in den Dörfern des Gebirgsvorlands.
Eine Sonderstellung unter den Bauten der Volksarchitektur haben Mühlen, von denen an den Gebirgs- und Vorgebirgsflüssen viele Dutzende standen. Einige von ihnen sind – auch wenn sie schon längst nicht mehr ihrem Zweck dienen – wenigstens in ihrer Grundgestalt bis heute erhalten geblieben, beispielsweise ein Teil der Langer-Mühle bei Dobré, oder die Vondřejc-Mühle in Valské Doly bei Dobruška, deren Geschichte bis ins Mittelalter zurückgeht.
Zur volkstümlichen Kleinarchitektur gehörten auch Glockentürmchen, von denen im Adlergebirge und dessen Vorland nur einige wenige erhalten sind. Schöne Holzglockentürme gibt es beispielsweise in Nedvězí, Kounov oder in Lhota bei Dobruška.
Kleine Bauwerke waren überdachte Quellbrunnen und Wasserquellen bei den Berghütten. Einige dieser Überdachungen dienen bis zur heutigen Zeit ihrem Zweck und wir finden sie überall im ganzen Gebirge.
Am meisten sind die volkstümlichen Blockbauten im Adlergebirge beispielsweise in Sněžné, im Gebiet Orlické Záhoří und in weiteren Grenzgemeinden, aber auch in der Region Dobersko erhalten geblieben. Viel von ihnen sind wirkliche Perlen der Volksbaukunst und werden von ihren Besitzern sorgsam gepflegt.
Viele Volksarchitekturbauten zerstörte der berühmte „Zahn der Zeit“, viele die Änderungen des Lebensstils, insbesondere im vergangenen Jahrhundert, viele die Gleichgültigkeit oder gar die Willkür der Menschen. Die erhalten gebliebenen liefern ein zwar fragmentartiges, aber dennoch farbenreiches Bild von der Schönheit und den Werten der Volksbaukunst sowie von dem Können derjenigen, die sie geschaffen haben.